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----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Pure Data und Public Domain von Harald Wiltsche

Die Geschichte der elektronischen Musik ist eine Geschichte der Technologie und deren ökonomischen und sozialen Verfügbarkeit. Sie ist auch eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Establishment und Underground, zwischen rebellischem Schlafzimmerdilettantismus und elitär-akademischen Abschottungspraktiken. All diese Gegensätze beschreiben den Kontext, in dem eine Programmierplattform entstand, die mehr ist als nur ein Stück Software: PD.

Lange Zeit hindurch war die Möglichkeit, sich mit elektronischer Klangproduktion und -manipulation auseinander zu setzten, fest an streng reglementierte, soziale und institutionelle Räume gekoppelt. Wollte man die neuen Technologien nutzen, musste man sich an den wenigen Orten befinden, wo diese auch vorhanden waren: Paris, Köln, Freiburg, München, Leeds und San Francisco, um nur einige der wichtigsten zu nennen. Zudem musste man das soziale Etikett einer bestimmten Ausbildung und die Einbindung in gewisse Netzwerke mitbringen. Die großen Fortschritte im Bereich der Mikroprozessorentechnik veränderten die Lage grundlegend. Heute zeigt sich, dass der Homecomputer jene Plattform werden könnte, die den Zugang zu den neuen Instrumenten der digitalen Klangproduktion ermöglicht. Hierzu musste auch die passende Software zur Verfügung gestellt werden.

Die Avantgarde hatte sich schon seit jeher auf die experimentelle Seite geschlagen, auf jene von C-Sound, Super Collider oder eben auf jene von MAX, eine modulare Programmiersprache, die von Miller Puckette am Pariser IRCAM (Institute de Recherche et de Coordination Musique/Acoustique) in der Mitte der 80er entwickelt wurde. MAX war revolutionär, weil zwei Welten zusammengeführt wurden: einerseits erlaubte die Offenheit des Programms die nahezu uneingeschränkte Freiheit der/des Komponist In, andererseits musste man nicht mehr reine Textwüsten programmieren, sondern hatte eine zumindest rudimentäre graphische Oberfläche vor sich. PD ist die Portierung dieser Ausgangsidee auf die häufigsten Plattformen (Apple, Windows, Linux).

Dieser Fall steht paradigmatisch für die Fragen, welchen Status Programmcodes haben, welche Rechte einem/einer ProgrammiererIn? zustehen und warum Quellcodes nicht ähnlich wie Kunstwerke untrennbar an den/die Urheber In gebunden sind. Miller Puckette jedenfalls zog die Konsequenzen, begann nochmals von vorne und programmierte PD. PD steht für PURE DATA, steht für PUBLIC DOMAIN.



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